Reichtagsbrand 1933

Format: Heft
9. Dezember 2020
von: Udo Grashoff

Udo Grashoff ist Historiker und Schriftsteller. Er hat Biochemie, Germanistik, Geschichte und Literaturwissenschaft studiert. 2006 promovierte er zum Thema Selbsttötungen in der DDR. Von 2014 bis 2020 war er als DAAD-Hochschuldozent am University College London tätig. 2019 wurde er an der Universität Leipzig habilitiert. Er hat zahlreiche wissenschaftliche Publikationen vor allem zur Geschichte der DDR veröffentlicht, so zum Volksaufstand am 17. Juni 1953, zur Biermann- Ausbürgerung sowie zur Friedlichen Revolution 1989. Sein besonderes Interesse gilt Tabuthemen wie Selbsttötung oder illegales Wohnen. Grashoffs neuestes Buch schildert den brutalen Haftalltag im DDR-Jugendgefängnis »Jugendhaus Halle«. Udo Grashoff lehrt als außerplanmäßiger Professor an der Universität Leipzig und forscht im Rahmen eines DFG-Projektes am Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung Dresden zum Umgang mit kommunistischen und sozialdemokratischen NS-Kollaborateuren im Nachkriegsdeutschland und in Österreich.

Inhaltsangabe

Kaum ein Ereignis der deutschen Geschichte wird unter Historikern so kontrovers diskutiert wie der Brand des Reichstages am 27. Februar 1933. Unstrittig ist, dass die Nationalsozialisten davon profitierten und den Brandanschlag als Vorwand nutzten, um eine bereits geplante massive Verhaftungsaktion gegen Kommunisten, Sozialdemokraten und andere politische Gegner auszulösen. Die Reichstagsbrandverordnung legitimierte den Terror von SA und SS und wurde zur Geburtsstunde der Konzentrationslager.
Der ab September 1933 vom Reichsgericht Leipzig durchgeführte Reichstagsbrandprozess, mit dem die Nationalsozialisten die Kommunisten an den Pranger stellen wollten, wurde allerdings zum Desaster. Angebliche Aufstandspläne der Kommunisten erwiesen sich als Hirngespinst. Die vier angeklagten Kommunisten mussten freigesprochen werden, lediglich der holländische Anarchist Marinus van der Lubbe wurde zum Tode verurteilt und hingerichtet. Bereits damals hegten viele in- und ausländische Beobachter den Verdacht, dass die Nationalsozialisten selbst den Brand gelegt haben könnten. Aber auch die Alleintäterthese mit van der Lubbe als Täter kann sich auf eine Reihe von plausiblen Annahmen berufen.

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