9.11.1989 - Der Fall der Mauer

Vom Ende einer unharmonischen Beziehung

Format: Heft
11. Dezember 2024
von: Gerhard Sälter

Dr. Gerhard Sälter, Historiker, ist Projektleiter in der Forschungsabteilung des Bundesarchivs/Stasi-Unterlagen-Archivs. Nach einem Studium in Berlin und einer Promotion zur Entstehung der ersten modernen Polizei im Paris des 17./18. Jahrhunderts wendete er sich der Erforschung und Aufarbeitung der DDR-Geschichte zu. Seit 2002 arbeitete er an der Gedenkstätte Berliner Mauer, in der er u.a. für die Dauerausstellung im Gedenkstättenareal verantwortlich war. 2012 bis 2015 war er beurlaubt und Mitarbeiter der Unabhängigen Historikerkommission zur Geschichte des BND, 1945–1968. Von 2017 bis 2024 leitete er in der Stiftung Berliner Mauer die Abteilung Forschung und Dokumentation. In dieser Zeit war er an vielen Projekten der Aufarbeitung beteiligt, zumeist in leitender Funktion. Im Januar 2025 wechselte er in seine aktuelle Position, um sich wieder stärker auf Forschung zu konzentrieren.
Seine Arbeitsschwerpunkte liegen in der DDR-, Polizei- und Geheimdienstgeschichte mit besonderem Interesse an den Herrschafts- und Machtbeziehungen in ihrem sozialen Kontext und der Genese gesellschaftlicher Ordnungen. Publikationen zur Geschichte von Devianz, Polizei, Denunziation, Justiz und Inhaftierung sowie zur deutschen Zeitgeschichte, insbesondere zum Grenzregime der DDR.

Inhaltsangabe

Manchmal geschieht Geschichte sehr plötzlich. Im politischen Miteinander der Menschen laufen die meisten Prozesse eher langsam ab, von den Zeitgenossen oft unbemerkt, fast unter der Hand. Aber es gibt Tage, nach denen man aufwacht und die Welt ist eine gänzlich andere geworden. Dies trifft auf den 9. November 1989 zu, als nicht nur die Mauer fiel, welche die Bewohner der DDR in ihrem Land eingeschlossen hatte, sondern die Welt daraufhin eine neue Ordnung erhielt. Der Fall der Mauer zeitigte Wirkungen in so fernen Gebieten wie Afrika, Südamerika und Asien, aber das war an diesem Tag noch nicht abzusehen.

Dabei hatte alles wenig spektakulär begonnen an diesem 9. November. Das Politbüro der SED, der in der DDR seit ihrer Gründung 1949 allein herrschenden kommunistischen Partei, hatte eine Pressekonferenz anberaumt, von der niemand Großes erwartete. Es war, nachdem eine seit Monaten anwachsende Protestbewegung die ersten Veränderungen in der DDR erzwungen hatte, erst die zweite ihrer Art. Im Oktober hatte der Parteivorsitzende und Staatschef Erich Honecker zurücktreten müssen und der jüngere SED-Politiker Egon Krenz war an seine Stelle getreten – aber eine grundlegende Änderung war das nicht. Niemand also erwartete Besonderes von dieser Pressekonferenz. Es sollte jedoch anders kommen.

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