Wann können aus Orten des Engagements auch tatsächlich Orte demokratischen Lernens werden? Denn Engagement allein ist noch nicht demokratisch. Entscheidend ist auch, wie wir miteinander handeln: Wer kann mitwirken? Wie werden Entscheidungen getroffen? Haben unterschiedliche Positionen Raum? Wie gehen wir mit Dissens um?
„machen! 2026“, der Preis für ehrenamtliches Engagement der Ostbeauftragten Elisabeth Kaiser und der Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt, zeigt die große Vielfalt der ausgezeichneten Projekte und die Entschlossenheit, mit der Menschen vor Ort anpacken. Manche von ihnen engagieren sich seit Jahrzehnten.
Dr. Franziska. Wittau, die Leiterin der Thüringer Landeszentrale, war Teil der Jury, welches das Engagement in Ostdeutschland bei der Preisverleihung in Berlin würdigte. Vieles von dem, was gerade in ländlichen Räumen Gemeinschaft ermöglicht, wird ehrenamtlich getragen. Wo Menschen gemeinsame Angelegenheiten gestalten, Interessen aushandeln und Entscheidungen treffen, können zudem demokratische Erfahrungen entstehen. Darauf verweist auch der aktuelle Forschungsbericht „Orte der Demokratie“ von Frankfurt University of Applied Sciences und PRIF Peace Research Institute Frankfurt. Das Ehrenamt ist eine soziale Infrastruktur, die Räume für Begegnung und demokratische Mitbestimmung öffnet.
Demokratie braucht nicht nur Gemeinschaft. Sie muss Unterschiedlichkeit und Streit aushalten – auf der Grundlage von Menschenwürde, Menschenrechten und demokratischen Grundprinzipien. Und demokratisches Lernen braucht Orte, an denen Demokratie nicht nur Thema, sondern Praxis und vor allem Gegenstand der Reflexion ist. Das zu ermöglichen, ist auch eine Aufgabe der politischen Bildung.