Wohnen

Format: Heft
1. Januar 2022
von: Robert Kaltenbrunner

Inhaltsangabe

Wohnen in all seinen Formen ist etwas Triviales und zugleich Existentielles: Hier nimmt das für jeden von uns prägende und Identität stiftende private Leben seinen Anfang. Und dabei gilt, dass in ihrem Zuhause die Menschen ihre höchste Zufriedenheit finden können, wie auch das Gegenteil, dass man mit einer Wohnung – wie Heinrich Zille es ausdrückte – den Menschen erschlagen könne wie mit einer Axt. Schon etymologisch geht das Wohnen auf das Gewohnte zurück. Zwar mag das Wohnhaus in der historischen Stadt, wie hier im süddeutschen Nördlingen, längst nicht mehr den Normalfall darstellen, wie wir „in den eigenen vier Wänden“ heimisch werden. Aber die Prägekraft der Tradition wirkt in vielerlei Hinsicht – und oft unsichtbar – fort. Die menschliche Behausung, sie ist weit mehr als ein Schutz vor der Witterung. Sie schenkt ein Gefühl von Geborgenheit, erfüllt den Geschmack der Bewohner, offenbart manchmal Träume und Sehnsüchte, dient Repräsentationsabsichten und sie wirkt zurück auf das Lebensgefühl, heute wie gestern. Wohnungen sind deshalb mehr als nur ein Ort zum Schlafen und Kochen, sie sind Spiegel der jeweiligen Lebensverhältnisse, Gesellschaftsstrukturen und historischen Umbrüche. Jedes Jahr werden neue gebaut, weil jeder eine braucht und alle irgendwo unterkommen müssen. Und so lässt sich anhand dieser Bauten, ihrer Ausstattung und Fertigungsweisen einiges ablesen über den kulturgeschichtlichen Kontext.

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