Die Schlacht von Stalingrad

Format: Heft
22. Dezember 2021
von: Matthias Schwartz

Matthias Schwartz, Dr. phil., wissenschaftlicher Mitarbeiter am Leibniz-Zentrum für Literatur- und Kulturforschung (ZfL), Berlin. Forschungsschwerpunkte: osteuropäische Gegenwartsliteraturen, Erinnerungskulturen und Jugendkulturen; zahlreiche Veröffentlichungen zu Abenteuerliteratur, Phantastik, Science Fiction, Wissenschaftspopularisierung und Kulturgeschichte der Raumfahrt; Publikationen in Auswahl: Schalamow. Lektüren (Mithg., 2018), Kulturheros. Genealogien – Konstellationen – Praktiken (Mithg., 2017), Eastern European Youth Cultures in a Global Context (Mithg., 2016), Expeditionen in andere Welten. Sowjetische Abenteuerliteratur und Science
Fiction von der Oktoberrevolution bis zum Ende der Stalinzeit (2014), Gagarin als Archivkörper und Erinnerungsfigur (Mithg., 2014); Die Spur des Sputnik. Kulturhistorische Expeditionen ins kosmische Zeitalter (Mithg., 2009), Die Erfindung des Kosmos. Zur sowjetischen Science Fiction und populärwissenschaftlichen Publizistik vom Sputnikflug bis zum Ende der Tauwetterzeit (2003); Mehr Informationen unter https://www.zfl-berlin.org/person/schwartz.html.

Inhaltsangabe

Der Name Stalingrad gilt bis heute im Deutschen als Inbegriff für eine verheerende Niederlage, als „Synonym für Apokalypse“ (Jens Ebert). Nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 hatte die Wehrmacht die europäischen Gebiete des Landes zu großen Teilen erobert und verwüstet. Erst im Herbst und Winter 1942/1943 gelang es der Roten Armee, einen entscheidenden psychologischen Wendepunkt im Kriegsverlauf zu erzielen, indem sie die Sechste Armee der Wehrmacht in dieser südlichen Stadt an der Wolga stoppte, einkesselte und schließlich besiegte. Schon während der Kämpfe wurde der „Schlacht des Jahrhunderts“ (Wassili Tschuikow) von allen Seiten hohe symbolische Bedeutung zugesprochen, die in der Propaganda und Publizistik, aber auch in vielen künstlerischen Werken ihren Ausdruck fand. Nach dem Krieg bildete das Leiden der eingekesselten Soldaten in Westdeutschland lange Zeit den Kern des Mythos von der ‚sauberen Wehrmacht‘, die ein unschuldiges Opfer von Hitlers Fanatismus geworden sei. In der Sowjetunion und im postsowjetischen Russland ist die Stadt (seit 1961 Wolgograd) bis heute ein zentraler Erinnerungsort für das Gedenken an die Gefallenen und für die Befreiung Europas vom Nationalsozialismus.

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