Geschichte des Reisens

Format: Buch
2. Dezember 2024
von: Sina Fabian

Dr. Sina Fabian ist Historikerin und wissenschaftliche Studienleiterin am Lern- und Erinnerungsort Notaufnahmelager Gießen. Von 2016 bis 2025 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Geschichtswissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin. Ihre bisherigen Forschungsschwerpunkte liegen in der europäischen Konsum- und Mobilitätsgeschichte. In ihrer Promotion beschäftigte sie sich mit der Geschichte des Reisens und Autofahrens im späten 20. Jahrhunderts, woraus die Monografie „Boom in der Krise. Konsum, Tourismus, Autofahren in Westdeutschland und Großbritannien, 1970-1990“ (Göttingen 2016) entstand. Sie hat außerdem zum Regieren von und mit Alkohol in der Weimarer Republik und im Nationalsozialismus geforscht, woraus unter anderem folgende Publikationen hervorgegangen sind: „Gefährlicher Genuss? Getränke und Trinkpraktiken seit der Frühen Neuzeit“ (Frankfurt am Main u.a. 2024 mit Mareen Heying, Tobias Winnerling); „Die Rolle von Alkohol im Holocaust. Aussagen der Täter und Bewertung in westdeutschen Gerichtsverfahren“, in: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft 70 (2022) 6, S. 521-541.
In ihrer aktuellen Forschung beschäftigt sie sich mit Flucht, Migration und Demokratie in der deutsch-deutschen Geschichte sowie in der Geschichte der Bundesrepublik nach 1990.

Inhaltsangabe

Die moderne Urlaubsreise, wie wir sie kennen, hat eine lange und facettenreiche Geschichte. Bereits im 18. und 19. Jahrhundert entstanden Reise- und Urlaubsformen wie der Seebäder- und Bergtourismus, die unsere Reisen auch heute noch prägen. Neben den Kontinuitäten beleuchtet die Studie auch Brüche und hinterfragt allzu einfache Erzählungen einer kontinuierlichen Demokratisierung des Reisens. Dass Urlaubsreisen keine reine »Flucht« aus dem Alltag und den politischen Verhältnissen zu Hause waren, sondern mitunter selbst ein Politikum darstellten, zeigen die Erfahrungen der zwei deutschen Diktaturen, die jeweils ihre eigene Tourismuspolitik verfolgten. Die Kritik am Reisen ist so alt wie das Reisen selbst. Wie die Studie zeigt, waren und sind mit Urlauben Privilegien verbunden, die die Privilegierten nur ungerne aufgaben. Anstatt in diese Kritik einzustimmen, zeigt die Studie, dass der westeuropäische Massentourismus in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts differenzierter war, als es Vorstellungen von einer homogenen Masse, die lediglich an Sonne, Strand und Meer interessiert war, nahelegen.

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