Der jüdische Hochzeitsring aus dem Erfurter Schatz

Format: Heft
5. August 2025
von: Maria Stürzebecher

Maria Stürzebecher ist Kunsthistorikerin und wurde über den Erfurter Schatz promoviert. Durch ihre Forschung wurden die gotischen Goldschmiedearbeiten aus dem Fund zum ersten Mal in den Gesamtbestand eingeordnet und gleichzeitig als historische Quelle ausgewertet. Maria Stürzebecher ist Kuratorin des Museums Alte Synagoge Erfurt und war seit 2009 mit der wissenschaftlichen Grundlagenarbeit in Vorbereitung der UNESCO-Bewerbung mit dem Mittelalterlichen Jüdischen Erbe in Erfurt befasst, wofür 2023 der Welterbe Titel verliehen wurde.

Inhaltsangabe

Das wichtigste Objekt im Erfurter Schatz, der im Keller des Museums Alte Synagoge ausgestellt wird, ist ein jüdischer Hochzeitsring. Er gehört zu einer Gruppe jüdischer Ringe mit einer bis ins Mittelalter zurückreichenden Tradition. Spätestens seit dieser Zeit war die Übergabe eines Rings ein fester Bestandteil jüdischer Hochzeiten in Aschkenas, dem mitteleuropäischen jüdischen Kulturraum. Der Ring symbolisierte den Brautpreis und war somit ein sehr wichtiger Teil des Rechtsgeschäfts, das die Ehe darstellte. Ringe mit Miniaturgebäuden als Ringkopf sind seit dem 14. Jahrhundert und bis heute gebräuchlich. Mit ihrer typisch jüdischen Formensprache, angepasst an den jeweils herrschenden Stil der Zeit und der Region, stellen diese Ringe ein einzigartiges Phänomen als jüdische Kunstwerke dar. Zudem ist der Erfurter Ring ein außergewöhnliches materielles Zeugnis eines historischen Ereignisses, da seine Verbergung direkt mit dem Pogrom vom 21. März 1349 in Verbindung gebracht werden kann. Dieses wunderschöne und exquisit gearbeitete Kunstwerk verdankt seine Überlieferung ausgerechnet einem solch furchtbaren Ereignis, und zeigt, wie widersprüchlich Überlieferungsgeschichte sein kann.

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