Internationalismus und Globalisierung in der DDR

Format: Buch
4. September 2026
von: Tobias Rupprecht

Dr. Tobias Rupprecht ist Globalhistoriker mit einem besonderen Interesse an der Geschichte des (Staats-)Sozialismus und des (Neo-)Liberalismus. Seine Forschungsarbeit befasst sich vor allem mit den Beziehungen und Begegnungen Osteuropas mit dem Globalen Süden sowie mit Wirtschaftsreformen in sozialistischen Ländern. Er lehrte sowohl russische als auch lateinamerikanische Geschichte an mehreren Universitäten in Dänemark, Deutschland und England. Seit 2026 ist er an der Humboldt Universität zu Berlin tätig.

Inhaltsangabe

Wer sich an die DDR erinnert, denkt meist an einen Staat, der seine Gesellschaft hinter Mauern und Stacheldraht von der Außenwelt isolierte. Dabei war der Internationalismus Teil der Staatsideologie des Sozialismus. In den frühen Jahren versuchte die politische Führung, weltweit Anerkennung für das kommunistische Deutschland zu finden. Solidarische Bande mit anderen sozialistischen und post-kolonialen Gesellschaften sollten zur Schaffung einer nicht-kapitalistischen Weltordnung beitragen. Die Bevölkerung, deren Reisefreiheit stark eingeschränkt war, kam mit der Außenwelt jedoch meist nur über Besucher und mediale Repräsentationen in Kontakt. Ab den 1970er-Jahren wurden die offiziellen Verbindungen zum Ausland zunehmend pragmatisch: Der Westen, von dem die SED sich zu Beginn noch weitgehend abschotten wollte, wurde zu einem immer wichtigeren Handelspartner. Auch in den Beziehungen zu den sozialistischen Bruderstaaten und zur »Dritten Welt« setzten sich wirtschaftliche Interessen oft gegenüber der weiter propagierten internationalen Solidarität durch. 

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