Die DDR und Homosexualität

staatlicher Umgang, Alltag und Aktivismus

Format: Buch
19. Dezember 2024
von: Teresa Tammer

Dr. Teresa Tammer, geboren 1985, ist Stellvertreterin der Sächsischen Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Nach ihrem Studium der Geschichte in Berlin hat sie in Münster über schwule Bewegungen in der DDR und im geteilten Deutschland in den 1970er- und 1980er-Jahren promoviert. Als Ausstellungsassistentin arbeitete sie im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig und war in der Sammlung des Deutschen Hygiene-Museums Dresden als wissenschaftliche Mitarbeiterin beschäftigt. Sie ist Mitherausgeberin des Bandes »Dinge und Sexualitäten. Körperpraktiken im 20. und 21. Jahrhundert « (2021). Ihre Forschungsinteressen liegen im Bereich der DDR-Geschichte, der Geschichte der Sexualitäten und Homosexualitäten sowie der materiellen Kultur.

Inhaltsangabe

Wandel und Beharren des SED-Staates im Umgang mit Homosexualität, der Alltag homosexueller Menschen sowie schwul-lesbischer Aktivismus sind Teil der Geschichte der DDR. Gleichgeschlechtliche Sexualität stand hier die meiste Zeit unter Strafe: zwischen 1950 und 1968 die »beischlafähnliche Unzucht« zwischen Männern und ab 1968 homosexuelle Handlungen zwischen Erwachsenen und Jugendlichen, sowohl Männern als auch Frauen. 1988 schaffte die Volkskammer der DDR diese strafrechtliche Diskriminierung ab. Galt Homosexualität bis in die 1960er-Jahre als Überbleibsel des Kapitalismus, als Krankheit oder »Missbildung«, so wurde in den 1970er- und 1980er-Jahren vermehrt zu Toleranz gegenüber Schwulen und Lesben aufgerufen. Doch Jugendliche sollten auch weiterhin vor der »Verführung« zur Homosexualität geschützt werden. Homosexuelle Frauen und Männer hatten kaum die Chance, sich unabhängig zu organisieren und ihre Interessen in der Öff entlichkeit zu vertreten. Bis in die 1970er-Jahre waren Treff en nur in privaten Kreisen und ab den 1980er-Jahren fast ausschließlich in den Räumen evangelischer Gemeinden möglich. Schwul-lesbischer Aktivismus in der DDR war immer zuvorderst Selbstbehauptung, weil Räume der Begegnung und die eigene Sichtbarkeit überhaupt erst erkämpft werden mussten.

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