Vortrag und Podiumsgespräch mit Maik Tändler (Institut für Zeitgeschichte)
Podium:
Prof. Dr. Christiane Kuller, Neuere und Zeitgeschichte und Geschichtsdidaktik an der Universität Erfurt
Prof. Dr. Annegret Schüle, Leiterin des Erinnerungsortes Topf & Söhne
Moderation: Michael Weise, Netzwerk Historiker*innen für eine demokratische Gesellschaft (hist4dem)
Die „Neue Rechte“, die eine intellektuelle Erneuerung des Rechtsextremismus anstrebt, ist sich mit rechtsextremen Politikern in der Ablehnung der Erinnerungskultur zum Nationalsozialismus einig. Sie diffamieren die öffentliche Erinnerung an den Holocaust gerne als „Schuldkult“, der dazu diene, den Nationalstolz der Deutschen zu unterdrücken.
Damit stehen sie in einer langen Tradition, hat die extreme Rechte in der Bundesrepublik die Verbrechen des Nationalsozialismus doch von Beginn an relativiert oder geleugnet und ihre Aufarbeitung bekämpft. Dr. Maik Tändler beleuchtet in seinem Vortrag Geschichte und Ideologie dieses Geschichtsrevisionismus seit Beginn der 1950er Jahre und zeigt sein Fortwirken bis in die Gegenwart auf.
Ein anschließendes Podiumsgespräch thematisiert auch den Beitrag der Erinnerungskultur zur Entwicklung und Verteidigung der Demokratie in der Bundesrepublik und fragt angesichts des Erstarkens rechtsextremer Kräfte und ihrer Besetzung gesellschaftlicher Räume und politischer Machtpositionen danach, welche Gefahr der Geschichtsrevisionismus für die demokratische Verfasstheit unserer Gesellschaft darstellt.
Maik Tändler ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Zeitgeschichte München–Berlin und arbeitet dort zur Geschichte der Carl Friedrich von Siemens Stiftung. Zuvor war er am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin und am Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte der Friedrich-Schiller-Universität Jena tätig. 2025 veröffentlichte er im Wallstein-Verlag die Monografie „Armin Mohler und die intellektuelle Rechte in der Bonner Republik“.