1991, kurz nach dem Ende des Kalten Krieges, trafen sich die Außenminister Deutschlands, Frankreichs und Polens in Weimar. Europa war in Bewegung: Deutschland war wiedervereinigt, Polen suchte nach dem Ende der kommunistischen Herrschaft seinen Platz in den europäischen Strukturen, und Frankreich stand gemeinsam mit Deutschland vor der Frage, wie sich Europa nach Osten öffnen und zugleich politisch zusammenhalten ließe. Aus diesem Moment entstand das Weimarer Dreieck: ein Gesprächs- und Kooperationsformat, das unterschiedliche historische Erfahrungen, politische Interessen und Zukunftsvorstellungen miteinander ins Verhältnis setzen sollte. Ziel war es, gemeinsame Grundinteressen für die Zukunft Europas zu benennen und grenzüberschreitende Zusammenarbeit auszubauen.
Zum 35. Jubiläum des Weimarer Dreiecks nehmen die Filme diese Grundfrage aus historischer Perspektive auf: Wie kann aus Europas Brüchen gemeinsame Zukunft werden? Die Filme zeigen anhand der Gewaltgeschichte des Zweiten Weltkriegs und der Teilung Europas im Kalten Krieg, dass ein geeintes Europa keine einfache Antwort ist, sondern als schwierige Aufgabe: geprägt von Erinnerung, Grenzen, Konflikten und der Suche nach gemeinsamem Handeln.
„Europa, Europa“:
Überleben in einem zerrissenen Kontinent
Ein jüdischer Junge überlebt die nationalsozialistische Verfolgung, indem er seine Identität immer wieder neuen Machtverhältnissen anpasst. Seine Flucht führt durch ein Europa, in dem deutsche Gewaltgeschichte, polnische Erfahrungsräume und die politischen Fronten des 20. Jahrhunderts existenziell ineinandergreifen. Der Film eröffnet die Reihe mit der Frage, aus welcher Geschichte heraus europäische Verständigung nach 1945 überhaupt notwendig wurde: aus Krieg, Verfolgung, zerstörten Nachbarschaften und gebrochenen Biografien.