In Thüringen gab es neben den Ernestinern, den Schwarzburgern und den Reußen auch andere Dynastien, die über größere Gebiete herrschten. Deren Residenzen befanden sich zum Teil außerhalb der Grenzen des heutigen Bundeslandes. Jedoch sollen sie hier genannt werden, da sie ebenso wie die Residenzen der Ernestiner, Schwarzburger und Reußen in die Thüringer Region ausstrahlten. Es handelt sich um die Residenzen der albertinischen Linien Sachsen-Weißenfels und Sachsen-Zeitz sowie um die hennebergischen bzw. landgräflich-hessischen Residenzen Schleusingen und Schmalkalden:
Weißenfels (heute in Sachsen-Anhalt) war von 1656 bis 1746 Residenz des albertinischen Herzogtums Sachsen-Weißenfels. Dieses Herzogtum war durch einen Vergleich des Kurfürsten Johann Georg II. von Sachsen mit seinen drei jüngeren Brüdern entstanden. Letztere erhielten eigene Herrschaftsgebiete mit eingeschränkten Hoheitsrechten, darunter das Herzogtum Sachsen-Weißenfels. Dieses verfügte auch über Territorien im Norden des heutigen Bundeslandes Thüringen, etwa die Ämter Weißensee und Langensalza. Der erste Herzog von Sachsen-Weißenfels, August (1614–1680), residierte als Administrator des Erzstifts Magdeburg noch in Halle. Dennoch wurde in Weißenfels schon seit 1660 ein Residenzschloss, „Neu-Augustusburg“, errichtet. Dieses diente seit 1680 als Residenz der Herzöge von Sachsen-Weißenfels. Nach dem Ende dieses Hauses 1746 ging das Territorium wieder an das kursächsische Stammland über. Durch die Regelungen des Wiener Kongresses 1815 kam Weißenfels schließlich an Preußen.
Zeitz(heute in Sachsen-Anhalt) war von 1656 bis 1718 die Residenz des albertinischen Herzogtums Sachsen-Zeitz. Dieses Herzogtum war im Zuge eines Vergleichs des Kurfürsten Johann Georg II. von Sachsen mit seinen drei jüngeren Brüdern entstanden. Letztere erhielten eigene Herrschaftsgebiete mit eingeschränkten Hoheitsrechten, darunter das Herzogtum Sachsen-Zeitz. Dieses verfügte auch über Territorien auf dem Gebiet des heutigen Bundeslandes Thüringen, etwa den Neustädter Kreis mit den Ämtern Arnshaugk, Weida (mit Mildenfurth) und Ziegenrück oder den albertinischen Teil der ehemaligen Grafschaft Henneberg um die Städte Schleusingen und Suhl. Von 1657 bis 1667 wurde an der Stelle der ehemaligen Bischofsburg ein Residenzschloss erbaut („Moritzburg“). Nach dem Ende der Linie Sachsen-Zeitz fiel das Schloss 1718 an Kursachsen zurück. Durch die Bestimmungen des Wiener Kongresses 1815 kam es an Preußen.
Schleusingen war eine Residenz der Grafen von Henneberg, die sich 1274 in die Linien Hartenburg (+ 1378), Aschach, später Römhild (+ 1549) und Schleusingen (+ 1583) teilten. Graf Berthold von Henneberg-Schleusingen (+ 1340) erhielt 1310 bestimmte fürstliche Vorrechte. Seit Beginn des 14. Jahrhunderts gab es in Schleusingen erste Ansätze zur Residenzbildung. Die Burg („Bertholdsburg“) wurde im Laufe der folgenden Jahrhunderte zum Residenzschloss ausgebaut. Nach dem Ende der Grafen von Henneberg 1583 fielen ihre Gebiete aufgrund eines Erbvertrags an die Ernestiner und die Albertiner. Zunächst wurden die Gebiete gemeinsam regiert. 1660 erfolgte eine Aufteilung, wobei Schleusingen an die Albertiner kam und Teil des Herzogtums Sachsen-Zeitz wurde. 1718 fiel Schleusingen mit Sachsen-Zeitz an Kursachsen zurück. 1815 kam Schleusingen durch die Regelungen des Wiener Kongresses an Preußen.
Schmalkalden(Stadt und Herrschaft) wurde 1360 durch die Grafen von Henneberg und die Landgrafen von Hessen gemeinsam erworben. Nach dem Erlöschen der Henneberger 1583 herrschten die Landgrafen von Hessen-Kassel allein über Schmalkalden. Bis 1632 war Schmalkalden Nebenresidenz der hessischen Landgrafen. Nach dem Dreißigjährigen Krieg war es bis 1683 noch Witwensitz. Danach erlangte es keinen Residenzstatus mehr. Anstelle der mittelalterlichen Burg Wallraff/Wallrapp wurde von 1585 bis 1590 die Wilhelmsburg als Residenzschloss errichtet. In der Nähe wurde auch ein Kanzleigebäude erbaut. Seit etwa dem zweiten Drittel des 17. Jahrhunderts wurde das Schloss durch die Landesherrschaft kaum noch genutzt. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde es ganz aufgegeben. Im Jahr 1873 übernahm der Verein für Hennebergische Geschichte und Landeskunde das Schloss und nutzte es als Museum.
Hans Patze/Walter Schlesinger (Hrsg.): Geschichte Thüringens, Bd. 5: Politische Geschichte in der Neuzeit, 2 Bde. in 3 Teilbänden, Köln/Wien 1978-1984.
Konrad Scheurmann/Jördis Frank (Hrsg.): Neu entdeckt. Thüringen – Land der Residenzen. 2. Thüringer Landesausstellung Schloss Sondershausen, 15. Mai – 3. Oktober 2004, Bde. 1-2: Katalog; Bd. 3: Essays, Mainz 2004.
Harm von Seggern (Hrsg.): Residenzstädte im Alten Reich (1300-1800). Ein Handbuch, Abteilung 1: Analytisches Verzeichnis der Residenzstädte, Teil 1: Nordosten (Residenzenforschung. Neue Folge: Stadt und Hof – Handbuch, hrsg. Von Gerhard Fouquet/Olaf Mörke/Matthias Müller/Werner Paravicini), Ostfildern 2019.
PD Dr. Marco Kreutzmann ist Leiter der Forschungsstelle für Neuere Regionalgeschichte Thüringens an der Friedrich Schiller-Universität Jena.