Die Grafen von Schwarzburg teilten im Jahr 1571 ihren Gesamtbesitz in die Linien: Oberherrschaft (die sich 1574 in die Linien Rudolstadt und Arnstadt (+ 1583) aufteilte), Sondershausen und Frankenhausen (+ 1599). Im Jahr 1599 wurde das Gesamtgebiet der Schwarzburger in die Linien Sondershausen und Rudolstadt geteilt. Diese Hauptlinien blieben bis 1909/1918 bestehen. Von der Linie Sondershausen spalteten sich 1651 Arnstadt (+ 1669) und Ebeleben (+ 1681) ab. Im Jahr 1681 teilte sich die wiedervereinigte Linie Sondershausen in die Häuser Sondershausen und Arnstadt (+ 1716). Danach gab es keine weiteren Teilungen mehr. Die Linien Sondershausen und Arnstadt wurden 1697 durch Kaiser Leopold I. in den Reichsfürstenstand erhoben. Im Jahr 1710 wurde auch Schwarzburg-Rudolstadt in den Reichsfürstenstand erhoben. Nach dem Aussterben der Linie Sondershausen 1909 wurde deren Gebiet in Personalunion vom Fürsten von Schwarzburg-Rudolstadt bis 1918 mitregiert. Die Schwarzburger schufen folgende Residenzen:
Rudolstadt war von 1571 bis 1918 Sitz einer eigenen Linie der Grafen und späteren Fürsten von Schwarzburg. Die mittelalterliche Burg oberhalb der Stadt wurde zum Residenzschloss ausgebaut („Heidecksburg“). Nach der Erhebung Schwarzburg-Rudolstadts in den Reichsfürstenstand 1710 wurde das Residenzschloss umfassend umgebaut. Dabei blieb aber der Nordflügel im Stil der Renaissance erhalten. In den Jahren 1735 bis 1741 wurde außerdem das Schloss Ludwigsburg als Stadtschloss für den Prinzen und späteren Fürsten Ludwig Günther II. (reg. 1767–1790) erbaut.
Sondershausen war von 1571 bis 1918 Residenz einer eigenen schwarzburgischen Linie. Daran änderte auch das Aussterben des Hauses Schwarzburg-Sondershausen im Jahr 1909 nichts. Der Fürst von Schwarzburg-Rudolstadt regierte Schwarzburg-Sondershausen in Personalunion bis 1918 mit. Bereits 1534 wurde mit dem Bau eines Schlosses im Stil der Renaissance begonnen, das bis 1551 weitgehend fertig gestellt war. Von 1837 bis 1838 wurde das Schloss im klassizistischen Stil umgestaltet.
Arnstadt war von 1574 bis 1583, von 1651 bis 1669 und von 1681 bis 1716 Residenz eines eigenständigen schwarzburgischen Territoriums. Dazwischen und danach bis 1918 war es Nebenresidenz und Hauptort der Oberherrschaft des Fürstentums Schwarzburg-Sondershausen. Zwischen 1553 und 1560 wurde das Residenzschloss im Stil der Renaissance errichtet. Nach 1716 wurde das Schloss kaum noch durch die Herrschaft genutzt. Es verfiel immer mehr und stürzte 1779 teilweise zusammen. Heute ist nur noch der Schlossturm in restauriertem Zustand erhalten. Von den übrigen Teilen des Schlosses sind nur Ruinen überliefert. Neben dem Schloss wurde von 1729 bis 1734 das Neue Palais in Arnstadt als fürstlicher Wohnsitz errichtet.
Frankenhausen war von 1533 bis 1537 und von 1571 bis 1599 Sitz einer eigenen Linie der Grafen von Schwarzburg. Danach fiel es an die Grafschaft, seit 1710 Fürstentum Schwarzburg-Rudolstadt, wo es bis 1918 blieb. Frankenhausen blieb aber Nebenresidenz und Hauptort der so genannten Unterherrschaft des Fürstentums, die räumlich von der Oberherrschaft um Rudolstadt getrennt war. Seit 1533 entstand ein Residenzschloss im Stil der Renaissance. Nach einem Brand 1689 wurde es von 1694 bis 1704 im barocken Stil erneuert. Der Herrschaftsmittelpunkt in der Unterherrschaft verlagerte sich jedoch zunehmend in das von 1694 bis 1699 im nahen Kyffhäusergebirge erbaute Jagd- und Lustschloss Rathsfeld.
Ebeleben war von 1651 bis 1681 die Residenz einer eigenen Linie der Grafen von Schwarzburg. Danach kam es an das Haus Schwarzburg-Sondershausen, wo es bis 1918 blieb. Von 1661 bis 1666 wurde in Ebeleben eine mittelalterliche Burganlage zu einem Residenzschloss im barocken Stil umgebaut. Bis 1837 wurde das Schloss als Herrschafts- und Verwaltungssitz genutzt. Im April 1945 wurde es durch Kampfhandlungen während des Zweiten Weltkrieges zerstört.
Schloss Schwarzburg war keine Residenz, wurde aber als Stammhaus der Grafen und späteren Fürsten von Schwarzburg seit der Mitte des 16. Jahrhunderts zu einem repräsentativen Schloss ausgebaut. Seit 1584 gehörte Schloss Schwarzburg vollständig zur Linie Schwarzburg-Rudolstadt, deren Hauptresidenz jedoch die Heidecksburg in Rudolstadt blieb. Nach der Erhebung Schwarzburg-Rudolstadts in den Reichsfürstenstand 1710 wurde Schloss Schwarzburg weiter zur repräsentativen Nebenresidenz ausgebaut. Bis 1918 wurde das Schloss dann aber v.a. als Jagdschloss genutzt.
Hans Patze/Walter Schlesinger (Hrsg.): Geschichte Thüringens, Bd. 5: Politische Geschichte in der Neuzeit, 2 Bde. in 3 Teilbänden, Köln/Wien 1978-1984.
Konrad Scheurmann/Jördis Frank (Hrsg.): Neu entdeckt. Thüringen – Land der Residenzen. 2. Thüringer Landesausstellung Schloss Sondershausen, 15. Mai – 3. Oktober 2004, Bde. 1-2: Katalog; Bd. 3: Essays, Mainz 2004.
Harm von Seggern (Hrsg.): Residenzstädte im Alten Reich (1300-1800). Ein Handbuch, Abteilung 1: Analytisches Verzeichnis der Residenzstädte, Teil 1: Nordosten (Residenzenforschung. Neue Folge: Stadt und Hof – Handbuch, hrsg. Von Gerhard Fouquet/Olaf Mörke/Matthias Müller/Werner Paravicini), Ostfildern 2019.
PD Dr. Marco Kreutzmann ist Leiter der Forschungsstelle für Neuere Regionalgeschichte Thüringens an der Friedrich Schiller-Universität Jena.