Residenzen der Reußen
Die Herren von Reuß teilten 1564 ihren Gesamtbesitz in die Linien Reuß-Untergreiz (= ältere Linie), Reuß-Obergreiz (+ 1616) und Reuß-Gera (= jüngere Linie). Das Haus Reuß-Untergreiz teilte sich 1583 in die Linien Untergreiz I (+ 1640) und Untergreiz II. Das Haus Untergreiz I verlegte 1596 seinen Sitz in die Herrschaft Burgk. Von dieser Linie spaltete sich 1616 Reuß-Dölau (+ 1636) ab. Die Linie Untergreiz II teilte sich 1625 in die Linien Untergreiz und Obergreiz. Letztere wurde 1673 in den Reichsgrafenstand erhoben. Untergreiz wurde 1668 in die drei Linien Burgk (+ 1697), Untergreiz (+ 1768) und Rothenthal (+ 1698) geteilt, die 1673 alle in den Reichsgrafenstand erhoben wurden. Die 1625 entstandene Linie Obergreiz, von der sich 1694 die Linie Dölau (+ 1698) abspaltete, stieg 1778 in den Reichsfürstenstand auf. Seit 1902 wurde das Fürstentum Reuß ältere Linie wegen Regierungsunfähigkeit des Thronfolgers von Reuß jüngere Linie mitregiert.
Das 1564 entstandene Haus Reuß-Gera teilte sich 1647 in die Linien Gera (+ 1802), Schleiz, Lobenstein und Saalburg (+ 1666). Die drei zuerst genannten Linien wurden 1673 in den Reichsgrafenstand erhoben. Reuß-Lobenstein teilte sich 1678 in die drei Linien Lobenstein (+ 1824), Hirschberg (+ 1711) und Ebersdorf (1848 abgedankt). Lobenstein wurde 1790, Ebersdorf und Schleiz 1806 in den Reichsfürstenstand erhoben. Durch den Erwerb von Lobenstein (1824), Ebersdorf und Gera (1848) wurde Reuß-Schleiz 1848 zum Fürstentum Reuß jüngere Linie, das bis 1918 bestand. Die Reußen schufen folgende Residenzen:
Greiz war die wichtigste Residenz der älteren Linie des Hauses Reuß und beherbergte zeitweise sogar zwei Unterlinien. Dem entsprechend gab es auch zwei Residenzschlösser. Das Obere Schloss entstand aus einer mittelalterlichen Burganlage. Nach einem Brand 1540 wurde die Burg wieder aufgebaut und von 1697 bis 1714 zum Residenzschloss umgestaltet. Das Untere Schloss wurde nach der Landesteilung von 1564 errichtet. Es diente nach dem Aussterben der letzten Untergreizer Linie 1768 vor allem als Sitz von Behörden. Nach der Zerstörung durch den Stadtbrand 1802 wurde das Untere Schloss bis 1809 im klassizistischen Stil wieder aufgebaut. Seitdem diente es anstelle des Oberen Schlosses als fürstliche Residenz. Außerdem war 1768 ein Sommerpalais im spätbarock-frühklassizistischen Stil im Greizer Park errichtet worden.
Gera war die Hauptresidenz der jüngeren Linie des Hauses Reuß. Durch Umbauten entstand im 16. und 17. Jahrhundert aus einer mittelalterlichen Höhenburg das Schloss Osterstein. Um 1860 erfolgte ein grundlegender historistischer Aus- und Umbau des Schlosses. Von 1745 bis 1748 wurde außerdem das Schloss Tinz als Sommerresidenz errichtet. Schloss Osterstein wurde im Zweiten Weltkrieg 1945 zerstört und die Ruinen 1962 beseitigt. Nur der Bergfried und einige Grundmauern blieben erhalten.
Schleiz war seit 1647 Residenz eines eigenen Zweigs der jüngeren Linie des Hauses Reuß. Im Jahr 1848 konnte das Haus Schleiz die Gebiete der übrigen Häuser der jüngeren Linie zum Fürstentum Reuß jüngere Linie vereinen. Die Residenz wurde nach Gera verlegt. Das auf einem Bergsporn über der Stadt gelegene Schloss wurde nach Bränden 1689 und 1837 wieder aufgebaut. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Schloss 1945 zerstört und die Überreste anschließend fast ganz beseitigt. In einem Park unweit der Stadt wurde 1808 das Palais Heinrichsruh als Sommerresidenz errichtet.
Lobenstein war von 1647 bis 1824 Residenz eines eigenen Zweigs der jüngeren Linie des Hauses Reuß. Bereits ab 1601 entstand das „Alte Schloss“, das die 1632 geschleifte Burg als Herrschaftssitz ablöste. Das Schloss wurde 1714 durch einen Brand weitgehend zerstört. Als Ersatz wurde bis 1718 das „Neue Schloss“ errichtet.
Ebersdorf war von 1678 bis 1848 Residenz eines eigenen Zweigs der jüngeren Linie des Hauses Reuß. Von 1691 bis 1694 wurde eine alte Wasserburg zum Schloss ausgebaut. Im Jahr 1709 wurde das Schloss zu einer Zwei- und 1720 bis 1721 zu einer Dreiflügelanlage erweitert. In Ebersdorf wurde eine Herrnhuter Brüdergemeinde angesiedelt, welche die Schlosskapelle als Betsaal nutzte.
Saalburg war von 1647 bis 1666 und
Hirschberg von 1678 bis 1711 Residenz eines eigenen Zweigs der jüngeren Linie des Hauses Reuß. Das Saalburger Schloss wurde im Dreißigjährigen Krieg zerstört und 1660 wieder aufgebaut. Im Jahr 1806 wurde es durch französische Truppen zerstört. In Hirschberg entstand von 1682 bis 1689 ein Schloss auf der Spitze eines Bergsporns.
Burgk wurde bereits 1403 von einer mittelalterlichen Burg zum Schloss ausgebaut und war von 1596 bis 1640 und von 1668 bis 1697 Residenz eines eigenen Zweigs der älteren Linie des Hauses Reuß. Seit 1697 diente das Schloss v.a. als Jagd- und Sommersitz.
Dölau war von 1616 bis 1636 und von 1694 bis 1698 und
Rothenthal von 1668 bis 1698 Residenz eines eigenen Zweigs der älteren Linie des Hauses Reuß. Das unweit von Greiz befindliche Schloss Dölau entstand wohl Mitte des 16. Jahrhunderts. Nach 1698 wurde es ausschließlich für die Landwirtschaft genutzt. In Rothenthal zwischen Greiz und Dölau wurde 1670 ein Schloss errichtet, das äußerlich eher die Gestalt eines Herrenhauses besaß und 1998 abgerissen wurde.
Hans Patze/Walter Schlesinger (Hrsg.): Geschichte Thüringens, Bd. 5: Politische Geschichte in der Neuzeit, 2 Bde. in 3 Teilbänden, Köln/Wien 1978-1984.
Konrad Scheurmann/Jördis Frank (Hrsg.): Neu entdeckt. Thüringen – Land der Residenzen. 2. Thüringer Landesausstellung Schloss Sondershausen, 15. Mai – 3. Oktober 2004, Bde. 1-2: Katalog; Bd. 3: Essays, Mainz 2004.
Harm von Seggern (Hrsg.): Residenzstädte im Alten Reich (1300-1800). Ein Handbuch, Abteilung 1: Analytisches Verzeichnis der Residenzstädte, Teil 1: Nordosten (Residenzenforschung. Neue Folge: Stadt und Hof – Handbuch, hrsg. Von Gerhard Fouquet/Olaf Mörke/Matthias Müller/Werner Paravicini), Ostfildern 2019.
PD Dr. Marco Kreutzmann ist Leiter der Forschungsstelle für Neuere Regionalgeschichte Thüringens an der Friedrich Schiller-Universität Jena.
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