Das Herrscherhaus der Wettiner teilte sich 1485 in zwei Linien, die Ernestiner und die Albertiner. Nach ihrer Niederlage im Schmalkaldischen Krieg 1547 herrschten die Ernestiner vor allem über Gebiete im heutigen Thüringen. Hier begründeten sie infolge von Erbteilungen zahlreiche Territorien mit eigenen Residenzen:
Weimar wurde 1553 von Kurfürst Johann Friedrich I. von Sachsen zur Residenz gewählt. Trotz zahlreicher Landesteilungen blieb Weimar bis 1918 Residenz eines ernestinischen Staatsgebildes, dessen territoriale Gestalt sich aber häufig wandelte. Mit der Erhebung zur Residenz wurde die mittelalterliche Burg Hornstein zum Schloss ausgebaut. Das Schloss wurde nach einem Brand 1618 teilweise wieder aufgebaut. Nach einem erneuten Brand 1774 wurde es von 1789 bis 1803 im klassizistischen Stil erneuert. Heute gehört das Schloss zum UNESCO-Welterbe „Klassisches Weimar“.
Gotha war von 1640 bis 1918 Residenz eines eigenen Herzogtums. Seit 1640 wurde an der Stelle der 1567 geschleiften Burg Grimmenstein das Schloss Friedenstein erbaut. Bis 1656 wurde ein massiver Schlossbau im frühbarocken Stil errichtet. Im Jahr 1826 wurde das Herzogtum Gotha mit dem Herzogtum Coburg verbunden. In dem neuen Herzogtum war Gotha neben Coburg gleichberechtigte Residenz.
Altenburg wurde 1603 Residenz des Herzogtums Sachsen-Altenburg. 1672 starb diese Linie aus und Altenburg kam zu Gotha. Nach dem Aussterben der Gothaer Linie 1825 wurde Altenburg wieder Residenz eines eigenen Herzogtums, das bis 1918 bestand. Das Residenzschloss wurde im 16. Jahrhundert auf Basis einer mittelalterlichen Burg im Stil der Renaissance ausgebaut. In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde es in mehreren Phasen barock überformt und erweitert.
Meiningen wurde 1680 Residenz eines eigenen Herzogtums. Bis 1692 wurde das Schloss Elisabethenburg errichtet. Unter der Regentin Charlotte Amalie erlebte Meiningen von 1763 bis 1782 eine politische und kulturelle Blüte. Im Jahr 1826 wurde das Herzogtum erheblich vergrößert. Herzog Georg II. (reg. 1866–1914) machte Meiningen durch seine Theaterreformen weltweit bekannt.
Coburg (heute in Bayern) war von 1541 bis 1553 Sitz des Herzogs Johann Ernst von Sachsen, des Halbbruders von Kurfürst Johann Friedrich I. Seit 1543 wurde das Schloss Ehrenburg als Residenz errichtet. Von 1572 bis 1638, 1680 bis 1699 und 1735 bis 1918 war Coburg Sitz eines eigenen Herzogtums. Im Jahr 1826 wurde das Herzogtum Coburg mit dem Herzogtum Gotha verbunden. Coburg war von nun an neben Gotha Residenz des neu entstanden „Doppelherzogtums“ Sachsen-Coburg und Gotha.
Eisenach war von 1596 bis 1638, von 1640 bis 1645 und von 1672 bis 1741 Sitz einer eigenen ernestinischen Linie. Von 1741 bis 1918 war es Teil des Herzogtums Sachsen-Weimar-Eisenach (seit 1815 Großherzogtum). Das dominierende herrschaftliche Gebäude war zum einen die Wartburg oberhalb der Stadt. Zum anderenwurde der mittelalterliche Landgrafenhof nach der Erhebung zur Residenz 1596 zum Schloss umgebaut. 1742 wurde dieses Schloss abgerissen und ein neues Schloss errichtet.
Hildburghausen war seit 1680 Residenz eines eigenen Herzogtums. Seit 1685 wurde ein Schloss errichtet. Im Jahr 1818 erhielt Sachsen-Hildburghausen eine Verfassung. Jedoch wurde das Herzogtum schon 1826 infolge der letzten ernestinischen Landesteilung aufgelöst und an Sachsen-Meiningen angegliedert. Das Schloss wurde nun für andere Zwecke genutzt. Nach großen Zerstörungen am Ende des Zweiten Weltkrieges wurde es schließlich abgerissen.
Jena war von 1672 bis 1690 Residenz eines eigenen Herzogtums. Seit 1659 wurde ein Schloss erbaut, das 1905 abgerissen wurde. An dessen Stelle wurde das heutige Hauptgebäude der Friedrich-Schiller-Universität Jena errichtet.
Eisenberg war von 1680 bis 1707 Residenz des gleichnamigen Herzogtums. Seit 1677 wurde das alte Schloss modernisiert. Seit 1707 diente es als Verwaltungsgebäude.
Römhild war von 1680 bis 1710 Residenz eines eigenen Territoriums. Seit 1676 wurde das alte Schloss zur Residenz ausgebaut. Nach 1710 wurde es u.a. als Witwensitz und Verwaltungsgebäude genutzt.
Saalfeld wurde 1680 Residenz eines eigenen Herzogtums. Seit 1677 wurde ein Schloss errichtet. Seit 1745 war Saalfeld nur noch Nebenresidenz und kam 1826 an Sachsen-Meiningen.
Hans Patze/Walter Schlesinger (Hrsg.): Geschichte Thüringens, Bd. 5: Politische Geschichte in der Neuzeit, 2 Bde. in 3 Teilbänden, Köln/Wien 1978-1984.
Konrad Scheurmann/Jördis Frank (Hrsg.): Neu entdeckt. Thüringen – Land der Residenzen. 2. Thüringer Landesausstellung Schloss Sondershausen, 15. Mai – 3. Oktober 2004, Bde. 1-2: Katalog; Bd. 3: Essays, Mainz 2004.
Harm von Seggern (Hrsg.): Residenzstädte im Alten Reich (1300-1800). Ein Handbuch, Abteilung 1: Analytisches Verzeichnis der Residenzstädte, Teil 1: Nordosten (Residenzenforschung. Neue Folge: Stadt und Hof – Handbuch, hrsg. Von Gerhard Fouquet/Olaf Mörke/Matthias Müller/Werner Paravicini), Ostfildern 2019.
PD Dr. Marko Kreutzmann ist Leiter der Forschungsstelle für Neuere Regionalgeschichte Thüringens an der Friedrich Schiller-Universität Jena.