Persönliche Geschichte: Edelbert Richter
Theologe Edelbert Richter ist am 1. Oktober 1989 gerade auf dem Weg zum Gründungstreffen des Demokratischen Aufbruchs, da wird er am Bahnhof Weimar festgenommen. Er hat den Programmentwurf für den DA im Gepäck und ist dem Regime schon zuvor durch sein Engagement in der Opposition aufgefallen. Nach der Verhaftung wird er vom Vorsitzenden des Rates der Stadt Weimar belehrt, er habe künftig keine Treffen oppositioneller Gruppierungen aufzusuchen. Richter ist unbeeindruckt: 3 Tage später ist er Hauptredner an einem Gemeindeabend in der Herderkirche – vor einem Publikum aus 3000 Menschen.
Quelle: Revolution in Thüringen Chronik
Persönliche Geschichte: Christine Lieberknecht
Die Pastorin aus Ramsla bei Weimarer ist politisch bei der CDU aktiv. Dass sie später Thüringer Ministerpräsidentin wird, zeichnet sich noch nicht ab als sie am 10. September 1989 gemeinsam mit drei weiteren Parteimitglieder einen Brief an die Mitglieder und Vorstände der eigenen Partei unterschreibt, der als „Weimarer Brief“ den Weg zur Erneuerung der Blockpartei ebnen wird. In dem Brief ermahnen die kritischen Christdemokraten die „linientreue“ Parteiführung um Gerald Götting zu Schritten der Reform der Partei und begründen stoßen damit deren neue Profilierung und Emanzipation von der DDR-Staatsmacht an. Der Wert des Briefes lag vor allem darin, dass er wie ein Katalysator die innere Diskussion der CDU um den Weg aus der Krise und die Zukunft der DDR beförderte. Er belebte die lange verlorene innerparteiliche Demokratie und trug so zur „Selbstbefreiung“ der CDU aus der erstarrten SED-Herrschaft bei.
Quelle: Vier Mitglieder versenden den „Brief aus Weimar“ an die Parteileitung, Bezirks- und Kreisverbände der CDU der DDR - Geschichte der CDU - Konrad-Adenauer-Stiftung