Persönliche Geschichte: Hans-Gerd Adler
Durch seine christliche Prägung war Hans-Gerd Adler schon früh in Kirchenkreisen engagiert und betätigte sich seit Oktober 1989 in der Demokratischen Initiative Heiligenstadt. Schon im Vorjahr fiel er der Stasi negativ auf, als er zum Fasching verkleidet als Karl Marx eine kritische Rede hielt. Eine besondere Rolle kam ihm bei den ersten Friedensdemonstrationen zu: er wurde auserkoren, die Forderungen der Opposition vorzutragen. Bevor er aufbrach, dominierte die Angst. Adler erinnert sich, wie er sich vor der Demo von seiner Frau verabschiedete, als würden sie sich zum letzten Mal sehen.
Narrativ
Unzufrieden mit dem Tempo der Veränderung protestierten am 21. Januar 1990 etwa 50.000 Menschen aus dem Eichsfeld gegen den Machterhalt der SED. In der sogenannten Kofferdemo überquerten sie mit Rucksäcken und Koffern den Grenzübergang Duderstadt-Worbis, um mit ihrer Ausreise zu drohen. Auch wenn nur die wenigsten tatsächlich planten auszureisen, zeigten die Demonstrierenden deutlich: wir sind bereit, sogar unsere Heimat aufzugeben, wenn sich am Regime nichts ändert.