Persönliche Geschichte: Kerstin Schön

Die Opposition gegen die SED-Regierung formiert sich im Laufe des Herbstes 1989. Zu den Protagonisten zählen nicht nur Parteien und überregionale Bürgerbewegungen, sondern auch lokale Gruppen. In Erfurt spielt unter anderem die Fraueninitiative „Frauen für Veränderung“ um Kerstin Schön eine wichtige Rolle – etwa im Rahmen der Entmachtung der Staatssicherheit.

Die Erfurterin ist in der katholischen Kirche engagiert und steht seit Längerem dem DDR-Regime kritisch gegenüber. Auf Studienreisen nach Polen war sie in Kontakt mit der Gewerkschaftsbewegung Solidarność gekommen und geriet später deswegen ins Visier des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS). 1980 wurde sie auf der Rückreise von Polen an der Grenze zur DDR festgenommen.

Im Herbst 1989 ist Schön in der lokalen Bewegung „Frauen für Veränderung“ aktiv. Alarmiert durch ein Flugblatt, dass vor der massiven Aktenvernichtung durch die Stasi warnte, mobilisieren die Aktivistinnen um die Medizinerin Kerstin Schön (Jahrgang 1957) in den frühen Morgenstunden des 4. Dezembers 1989 zahlreiche engagierte Erfurter*innen. Gemeinsam umstellen sie das Gebäude in der Andreasstraße und blockieren die Eingänge. Die Räume werden schließlich versiegelt und weitere Stasi-Objekte besetzt. Ihrem mutigen Beispiel folgen noch am selben Tag zahlreiche Thüringerinnen und Thüringer in anderen Orten.

Quelle:

https://www.ddr-im-blick.de
https://stasibesetzung.de/
https://www.youtube.com/