Was als lokaler Protest im Südwesten des Reichs begann, wurde rasch zu einem Flächenbrand: Ab Frühjahr 1524 war Thüringen ein Zentrum der Aufstände. Als historisches Ereignis wurde der Bauernkrieg über die Jahrhunderte hinweg von verschiedener Seite vereinnahmt.
Der „Bauernkrieg“ von 1525/26 zählt neben der Reformation zu den herausragenden historischen Ereignissen in Deutschland am Beginn des 16. Jahrhunderts. Der „Bauernkrieg“ war kein plötzlich zu Tage tretendes Ereignis. Bereits Jahrzehnte zuvor gab es soziale Unruhen in Städten und ländlichen Regionen. Sie belegen die wachsende Unzufriedenheit der Untertanen mit ihrer Herrschaft sowie der Papstkirche. Wetterkatastrophen und Missernten verschärften die Situation.
Im Juni 1524 eskalierte schließlich ein Untertanenkonflikt in der Landgrafschaft Stühlingen am Rand des Schwarzwaldes. Rasch griffen die Unruhen auf den Klett- und Hegau, kurz darauf auch auf Oberrheinisches Gebiet, den südlichen Schwarzwald, Oberschwaben, das Bodenseegebiet und auf Hessen, Franken und Thüringen über.
Die Aufstände erfassen Thüringen und verbreiten sich
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Hier, wo die Reformation bereits in weiten Teilen Fuß gefasst hatte, begann am 18. April ein erster Aufstand in Thüringen im oberen Werratal. Auch die Städte Mühlhausen, Langensalza, Erfurt, Nordhausen, Sangerhausen und Frankenhausen wurden rasch Zentren des Aufstandsgeschehens. Hinzu kam das Eichsfeld. In Arnstadt, Rudolstadt, Königssee und im Amt Blankenburg bildeten sich Haufen, ebenso in Ostthüringen um Jena, Neustadt a. d. Orla und bei Ronneburg sowie im Altenburger Land. Die Aufständischen plünderten oftmals geistliche und weltliche Besitzungen.
Die Zurückhaltung der ernestinischen Landesherrn bei der Anwendung von Gewalt gegen die Untertanen, ebenso Luthers Schlichtungsversuche, die er auf seiner Reise durch Thüringen seit Mitte April unternommen hatte, verhinderten die Unruhen nicht.
In den meisten Fällen folgten die Aufständischen aber altgewohnten Rechtspraktiken. Sie führten erst einmal Beschwerdebeim Landes- oder dem zuständigen Grund- bzw. Gerichtsherren. Die Klagen und Anliegen wurden in von Rechtsverständigen ausformulierten Beschwerdeartikeln zusammengefasst. Die Forderungen spiegelten die Verhältnisse bzw. Missstände vor Ort wider. Hinzu kamen allgemeine Forderungen nach freier Pfarrerwahl und Predigt des „wahren“ Evangeliums. Das daraus abgeleitete „göttliche Recht“ galt nun als leitender Maßstab aller Dinge, denn es wurde von Gott und nicht von Menschenhand bestimmt. Auch die weit verbreiteten und übergreifenden „Zwölf Artikel der Bauernschaft“ (verfasst im März 1525 in Memmingen) spielten während den Verhandlungen mit den Obrigkeiten eine wichtige Rolle.
Die Unruhen finden bei Frankenhausen ein jähes Ende
Die Aufstände in Thüringen fanden schließlich mit der Schlacht bei Frankenhausen am 15. Mai 1525 ein abruptes Ende. Hier hatte der von Mühlhausen mit einigen Anhängern gekommene Thomas Müntzer durch seine radikalisierenden Predigten an Einfluss auf das Geschehen gewonnen. Die vereinigten fürstlichen Truppen überrannten jedoch die in der Wagenburg auf dem Hausberg verschanzten Aufständischen. Über 5000 von ihnen fanden den Tod, 600 wurden gefangen genommen.
Das Strafgericht der Herrschaft fiel furchtbar aus. Mehr als 50 Aufständische wurden allein in und um Mühlhausen hingerichtet, darunter auch Thomas Müntzer. Kurfürst Johann brach am 30.Mai zu einem Strafzug durch sein Territorium auf. Station machte er überall dort, wo sich größere Haufen gebildet oder Städte sich den Aufständen angeschlossen hatten. Es folgten Hinrichtungen, Landesverweise und die Verhängung von Strafgeldern.
Auch andernorts wurden die Bauern bis Ende des Jahres vernichtend geschlagen. Nur im Salzburger Land dauerte der Aufstand unter dem Anführer Michael Gasmair noch bis zum Juli 1526 an.
Die politische Vereinnahmung der Ereignisse
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Kaum ein historisches Ereignis der deutschen Geschichte wurde vor allem im 19. und 20. Jahrhundert von unterschiedlichen Seiten so politisch vereinnahmt wie die Aufstände 1525/26. Die Beschäftigung mit dem „Bauernkrieg“, den Ursachen und weitreichenden Folgen, ist nicht abgeschlossen, wie eine Vielzahl an neuen Publikationen anlässlich des Gedenkjahrs 2025 zeigt.
Es bleibt nach wie vor umstritten, ob man von einem „Krieg der Bauern“ in Deutschland sprechen sollte. Schon zeitgenössische Publizistik, gefördert durch das neue Medium Buchdruck, greift je nach Interessenlage und Motivation der Autoren das Thema auf. Nachfolgende Jahrhunderte setzen dies fort. Jede der beteiligten Seiten formulierte ihre Sicht der Dinge und postulierte ihre Wahrheit.
Die „da unten“ fühlten sich von der Herrschaft missachtet und in ihrer Existenz bedroht. Die „da oben“ sahen keinen legitimen Grund, weshalb der Untertan die Art ihrer Herrschaftsausübung infrage stellte und rebellierte. Dies führte letzten Endes zur Eskalation.
Wichtig wird deshalb in der Beschäftigung mit den Aufständen bleiben, die unterschiedlichen Akteure nach ihren Vorstellungen zu befragen, ihr Handeln sowie ihre Resonanz auf tatsächliche und vermeintliche Veränderungen zu beobachten, um zu erkennen, welchen Verlauf gesellschaftlicher Diskurs in dieser krisenhaften Zeit nehmen konnte.
Horst Buszello/Peter Blickle/Rudolf Endres (Hrsg.): Der Deutsche Bauernkrieg. Paderborn u.a. 1984.
Volker Graupner: Reformation und Bauernkrieg in Thüringen. Jena 2016.
Werner Greiling/Thomas T. Müller/Uwe Schirmer (Hrsg.): Reformation und Bauernkrieg. Wien/Köln/Weimar 2019.
Thomas T. Müller: Mörder ohne Opfer. Die Reichsstadt Mühlhausen und der Bauernkrieg in Thüringen. Petersberg 2021.
Thomas Kaufmann: Der Bauernkrieg. Ein Medienereignis, Freiburg i. Br./ Basel/ Wien 2024.
Lyndal Roper: Für die Freiheit. Der Bauernkrieg 1525. Aus dem Englischen v. Holger Fock/ Sabine Müller, Frankfurt a.M. 2024.
Gerd Schwerhoff: Der Bauernkrieg. Geschichte einer wilden Handlung, München 2024.
Apl. Prof. Dr. Joachim Bauer war Leiter des Archivs der Friedrich-Schiller-Universität Jena und Mitarbeiter am Lehrstuhl Geschichte der frühen Neuzeit. Er hat zahlreiche Publikationen zur Geschichte Thüringens veröffentlicht. Der Bauernkrieg in Thüringen 1525